Akademie

18. – 21. Januar 2021, online

Die wissenschaftlich-künstlerische Akademie für und mit regionalen Tanzschaffenden und internationalen Gästen bildet das Zentrum des zweijährigen Programms TANZPAKT Dresden. Sie bietet Zeit und Raum zur Reflektion der derzeitigen Situation der freien Tanzszene und zum Diskutieren der Zukunft ihres künstlerischen Arbeitens.

Wie arbeiten wir? Wie wollen wir arbeiten? Was brauchen wir für künstlerische Arbeit?

Neben Gesprächen und Diskussionen mit Akteur:innen der regionalen Szene und internationalen Gästen, starten wir die Akademie-Workshopreihe mit internationalen Künstler:innen, in denen diese ihre Arbeit und Arbeitsweisen präsentieren. Den Auftakt machen Online-Formate von Jule Flierl, Eva Meyer-Keller und Sebastian Matthias. Im Frühsommer folgen dann Workshops (hoffentlich) in Person in Dresden mit Claire Cunningham, Willi Dorner, River Lin, Kate McIntosh & Joana Tischkau.

Programm
Montag, 18.01.2021
18:00
Begrüßung & Warm-Up
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Nach einem herzlichen Willkommen von TANZPAKT Dresden, VILLA WIGMAN und HELLERAU, wird Rosalind ein sanftes Warm-up anbieten, um den Körper zu öffnen und die Sinne einzustimmen. Sie wird mit Atemarbeit beginnen, um Raum im Körper/Geist zu schaffen, bevor sie zu sanften Dehnungen und Bewegungen übergeht, die von ihrer Qi Gong-Praxis beeinflusst sind. Diese 30-minütige Sitzung soll euch erfrischen und bereit machen, in die TANZPAKT Dresden Akademie einzutauchen.
Bitte tragt bequeme Kleidung, eine Yogamatte/und oder Decke wird empfohlen, ist aber nicht notwendig. Ihr braucht genügend Platz, um auf dem Boden zu liegen. Bitte benachrichtigt Rosalind falls ihr besondere körperliche Bedürfnisse habt.

19:00
Opening Thoughts: Regina Rossi
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„Gedanken über Kunst, Arbeit, Geld und anderes Zeug“

Zwischen Netzwerken, Fördergeldern, (Kunst-)Markt(zwängen), Bewerbungen, Öffentlichkeitsarbeit, Festivals und Spielstättenbescheinigungen, aber auch etwa Freiwilligkeit und politischem Engagement bewegen sich Kunstproduzierende heutzutage. Unter dem Zeitdruck für die nächste Deadline bleibt meistens keine Zeit für die Reflektion der eigenen Produktionsweisen, für das Wünschen und Imaginieren neuer Strukturierungsmöglichkeiten und Arbeitsstrategien.

Auf der anderen Seite verdeutlicht die Sars-Cov-2 Pandemie viele Schwächen des Systems. Andere Lösungen sind mehr als nötig. Nur, wie können neue Lösungen entworfen werden, die sich vom Primat der Technokratie, der Unternehmensideologie, Quantitätsideologie und der neoliberalen Strukturen von Führung und Organisation distanzieren? Ist das überhaupt möglich? Und gewünscht?

Regina Rossi ist in Brasilien geboren und aufgewachsen. Sie studierte Theater, Choreografie und Performance Studies in Porto Alegre, Amsterdam und Hamburg. Derzeit promoviert sie bei Prof. Bojana Kunst (Angewandte Theaterwissenschaft, JLU Gießen) mit dem Thema „Künstlerische Arbeitsweisen und Strategien als Kunst des Instituierens“. Seit 2009 lebt Rossi in Hamburg und produziert überwiegend auf Kampnagel ihre eigenen Arbeiten, die deutschlandweit gezeigt werden.

20:30
Open Space: Irina Pauls & Matthias Zielfeld
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Irina Pauls (TANZPAKT Dresden Residentin) und Matthias Zielfeld präsentieren erste Ergebnisse ihrer Recherche-Residenz und Forschungen zu ihrer neuen Produktion CORPORA.

Dienstag, 19.01.2021
10:00
Workshop: Jule Flierl
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„TonTanz - Praxis und Theorie"

Wozu brauchen Tanzschaffende ihre Stimmen? Was ist Tanz an der Stimme?

Im Wechselspiel von praktischen Übungen, Austausch und Vortrag, wird sich der Workshop mit der Diskrepanz zwischen Bild und Ton von Körpern auseinandersetzen. Jule Flierl stellt das von Valeska Gert in den 1920’er Jahren konzeptualisierte Genre „TonTanz“ vor, erläutert ihre darauf aufbauende Recherche zur Geschichte der Stimmen im Bühnentanz und wirft Fragen über die Authentizität von Stimmäußerungen auf.

Jule Flierl ist eine Tanz- und Stimm- Künstlerin aus Berlin. Sie entwickelt Methoden, die Stimme als tanzenden Aspekt begreifen, und Tanz in den hörbaren Raum übersetzen. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Choreografie und somatischen Gesangsmethoden, in denen sie die Beziehung zwischen Sehen und Hören aus dem Gleichgewicht zu bringen versucht. Sie belebt und folgt dem Vermächtnis Valeska Gerts, einer Berliner avant-garde Tänzerin der 1920’er Jahre, die den Begriff TonTanz erfand: mit seiner Stimme tanzen. Sie veranstaltet die Stimmperformance Serie FROM BREATH TO MATTER in Berlin.

Jule Flierls Arbeit wurde u.a. bei der Tanzplattform München 2020, Steirischer Herbst Graz 2019, Legs/La Raffinerie Brussels und Rencontres Chorégraphiques Paris 2018, La Panacée Montpellier 2016 gezeigt.

Derzeit arbeitet sie an einem Film und einer live Performance mit Antonia Baehr, an einem Duet mit Irena Tomazin und mit Anna Zett.

19:00
Diskussion: Körperpolitiken in der Tanzproduktion
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Im Rahmen der TANZPAKT Dresden Akademie haben wir die Künstler:innen Claire Cunningham, Jule Flierl, River Lin & Joana Tischkau eingeladen, ihre künstlerischen Forschungs- und Arbeitsmethoden mit Tanzschaffenden aus unserer regionalen freien Szene zu teilen.

In diesem Online-Gespräch mit der Kuratorin und Dramaturgin Sandra Noeth geben die Künstler:innen einen Einblick in ihre Arbeitsmethoden mit Fokus auf Körperpolitiken, wie diese in ihren künstlerischen Prozessen auf verschiedenen Ebenen auftauchen und diese beeinflussen können.

20:30
Open Space: Katja Erfurth
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Katja Erfurth (TANZPAKT Dresden Residentin) gibt einen Einblick in ihre Recherchearbeit im Rahmen ihrer Beschäftigung mit Gebärdensprache. Die Ergebnisse ihrer Residenz fließen in ihre neue Produktion Kassandra | Zunge: reißen.

Mittwoch, 20.01.2021
10:00
Workshop: Sebastian Matthias
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„One thumbed bandit – Participatory Art Based Research on TikTok"

TikTok ist eine schnell wachsende Community von immenser Größe, die Tanz und andere performative Praktiken als ihr Medium nutzt. Um einige der Transformationen zu verstehen, die innerhalb der Tanzrezeptionen stattfinden, möchte ich einen Workshop anbieten, der die Social Media App mit Methoden der Participatory Art Based Research (PABR) befragt. Durch die Verwendung der Formate von PABR versuche ich, unseren Hamburger Ansatz der künstlerischen Forschung vorzustellen und gleichzeitig zu untersuchen, wie die App durch ihr Design die Wahrnehmung der Nutzer:innen formatiert. Ausgehend von dem Schlüsselelement des Scrollens versuchen wir gemeinsam, künstlerische Ansätze zu finden, um auf die vorgeschlagenen Designs auf TikTok zu reagieren. Das Scrollen auf TikTok zeigt interessante Ähnlichkeiten mit dem Design von altmodischen Spielautomaten, die manchmal als "einarmige Banditen" bezeichnet werden. Wie funktioniert der "einarmige Bandit"? Wie kann seine Funktion mit choreografischen Mitteln enthüllt werden?

Ich bin selbst kein TikTok-Content-Produzent, sondern lade die Workshop-Teilnehmer:innen ein, die Plattform gemeinsam mit unseren unterschiedlichen choreografischen Kenntnissen und Ansätzen zu betrachten. Mit diesem Vorschlag versuche ich, einen Workshop anzubieten, der meine choreografischen Praktiken nicht digital aus dem Studio in eine Zoom-Situation vermitteln muss, sondern mit Material arbeitet, das in seiner Natur digital ist.

Sebastian Matthias ist Choreograf und Tanzwissenschaftler. Seit Mai 2019 ist er Postdoc im Forschungsprojekt "Participatory Art Based Research" an der HafenCity Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit K3 | Tanzplan Hamburg. Darüber hinaus arbeitet er momentan bis 2021 mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes an der Bürgerbühne Staatsschauspiel Dresden und am Theater Basel. Er studierte Tanz an der Juilliard School in New York und Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Als assoziierter Künstler am K3 entwickelte er seine künstlerisch-wissenschaftliche Forschungspraxis und promovierte 2018 im Rahmen des Graduiertenprogramms Versammlung und Teilhabe an der HafenCity Universität. Sein Dissertationsprojekt wurde 2018 unter dem Titel "Gefühlter Groove - Kollektivität zwischen Dancefloor und Bühne" veröffentlicht. In seiner choreografischen Arbeit beschäftigt er sich mit modularen Improvisationssystemen, die er gemeinsam mit den Tänzer:innen entwickelt.

10:30
Workshop: Eva Meyer-Keller
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Hands On“

Experimentieren, assoziieren, basteln, zuhören, komponieren, verkörpern, beschreiben und inszenieren, um all das wird es an dem Tag gehen. Ich tauche mit euch zusammen in meine Arbeitsweise ein, in der Gegenstände, die gerade so rumliegen, zu Hilfsmitteln werden, eine kurze Performance zu inszenieren. Es geht mir darum spontan und intuitiv mit verschiedenen Materialien und Medien umzugehen und die Teilnehmenden darin zu bestärken, sich auf die Intelligenz die im Tun liegt, zu vertrauen. Nach dem Tun werden wir die kurzen, für die Kamera inszenierten, Performances betrachten und das Gesehene beschreiben.

Eva Meyer-Keller arbeitet an der Schnittstelle von Darstellender und Bildender Kunst aus der Haltung einer konstruktiven Missachtung von Genregrenzen heraus. Neben menschlichen Körpern performen in ihren Arbeiten alltägliche Objekte - Dinge, die sie Zuhause, im Supermarkt oder im Hobbykeller findet. Dieses choreografierte Basteln entfaltet eine obsessive häusliche Ästhetik.

Meyer-Kellers Projekte entstehen oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen u.a. mit Uta Eisenreich, Sybille Müller und Kate McIntosh.

2018-2019 erhielt sie als erste Choreografin das dänische Forschungsstipendium RESA – Residency for Exchange and Sustainability in the Arts.

Aktuell entsteht seit 2017 eine Trilogie in Auseinandersetzung mit Modellen, Verfahren und Konzepten aus den Naturwissenschaften (SOME SIGNIFICANCE, 2017; LIVING MATTERS, 2019). Dazu erscheint in 3 Editionen und 7 Teilen das entfaltbare Künstler:innenbuch LM:M-M-A-E mit Ilya Noé als Co-Autorin. Zu Meyer-Kellers zahlreichen eigenen Arbeiten zählen u.a. die Performances DEATH IS CERTAIN (2002, bis heute aufgeführt an mehr als 200 Orten weltweit), PULLING STRINGS (2013, KunstenFestivaldesArts Brüssel), die Installationen VOLKSBALLONS (2004, Palast der Republik) und HANDMADE (2009, Palais de Tokyo Paris). Sie war beteiligt an Projekten von Baktruppen, Jérôme Bel, Juan Dominguez, Christine De Smedt / les Ballets C de la B.

19:00
Diskussion: Fragen von Medium & Form in der Tanzproduktion
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Im Rahmen der TANZPAKT Dresden Akademie haben wir die Künstler:innen Willi Dorner, Sebastian Matthias, Kate McIntosh & Eva Meyer-Keller eingeladen, ihre künstlerischen Forschungs- und Arbeitsmethoden mit Tanzschaffenden aus unserer regionalen freien Szene zu teilen.

In diesem Online-Format laden wir die vier Künstler:innen dazu ein, durch selbstgewählte Themenschwerpunkte ins Gespräch zu kommen und dabei Einblicke in ihre künstlerische Arbeit zu geben. Welche Rolle spielen Entscheidungen über Medium und Form in ihren jeweiligen Recherche- und Kreationsprozessen? Bedingt die jeweilige Themensetzung die Form ihrer Arbeiten und inwiefern beeinflusst das Medium wiederum den Inhalt?

20:30
Open Space: Rosalind Masson & Florence Freitag
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Rosalind Masson und Florence Freitag, Resident:innen von TANZPAKT Dresden, präsentieren Ergebnisse ihrer Recherche-Residenz beim Botanischen Garten der TU Dresden. Aus dem gewonnenen Material entwickeln sie im Laufe des Jahres ihre neue Produktion Occupying Eden.

Rosalind & Florence laden herzlich dazu ein, bereits im Voraus einen Blick in das Zine zu werfen, das sie in diesem Rahmen entworfen haben und Kopfhörer/Headsets für die Veranstaltung zu nutzen.

Zine Download

Donnerstag, 21.01.2021
10:00
Diskussion: Recherche-Residenzen
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Gemeinsam mit den Resident:innen von TANZPAKT Dresden wollen wir über das Format der Recherche-Residenzen sprechen.

Welche Vorteile, welche Nachteile hat das Format? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse konnten wir aus den bisherigen Residenzen gewinnen? Was könnte das Format noch?

12:00
Diskussion: Was kommt nach TANZPAKT Dresden?
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Wir wollen mit euch ins Gespräch kommen und fragen: Was braucht die sächsische Tanzszene?
Welche Recherche-, Arbeits- oder Produktionsformate werden benötigt?
Was läuft gut und was fehlt?